Im Zentrum des Vortrags steht die Reprint-Industrie der Gegenwart, die sich vorgeblich dem kulturellen Erbe verpflichtet sieht und sich dessen (Wieder-)Zugänglichmachung auf die Fahnen geschrieben hat: „We believe this work is culturally important, and […] have elected to bring it back into print as part of our continuing commitment to the preservation of printed works worldwide“, heißt es häufig im Klappentext. Hinter dem hehren Anliegen verbirgt sich aber allzu oft ein Geschäftsmodell, das sich die von Google & Co. vorangetriebene massenhafte Retrodigitalisierung zunutze macht, welche unzählige gemeinfreie Werke wieder verfügbar machte, die sich nun ohne großen Aufwand – unter Rückgriff auf Print-on-Demand und Infrastrukturen des Online-Handels – (re)merkantilisieren lassen. Dabei profitiert man nicht nur von den Früchten der Arbeit anderer. Angesichts der mangelnden Qualitätskontrolle in den vollautomatisierten Produktionsprozessen schadet man auch den Werken, die man zu retten vorgibt.
Das Kolloquium am Institut für Germanistik bietet ein offenes, literaturwissenschaftliches Forum für Lehrende, Forschende und Studierende. Zum einen erhalten Mitglieder des Instituts die Möglichkeit, ihre aktuellen Forschungsprojekte vorzustellen und zu diskutieren, zum anderen laden wir nationale und internationale Gäste zu Vorträgen ein. Alle, die Interesse an literaturwissenschaftlichen Themen vom Mittelalter bis zur Gegenwart und an den aktuellen Entwicklungen unseres Fachs haben, sind ganz herzlich eingeladen! Eine Anmeldung ist nicht notwendig.
Kontakt:
Dr. phil. Anke Jaspers anke.jaspers(at)uni-graz.at
Dr. phil. Isabella Managò isabella.manago(at)uni-graz.at