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Kasperls komische Erben

Thaddädl, Staberl, Kratzerl & Co. Wiener Volkskomödie im Wandel.
Von der Typenkomik Anton Hasenhuts bis zur Charakterkomik Ferdinand Raimunds

 

  • FWF-Projekt, Laufzeit: 02.08.2009 bis 01.10.2011

  • Projektleitung: Ao.Univ.-Prof. Mag. Dr. Beatrix Müller-Kampel

  • Projektmitarbeiterinnen: Mag. Dr. Andrea Brandner-Kapfer und Mag. Jennyfer Großauer-Zöbinger

  • http://lithes.uni-graz.at

 

Seit Jahren dringt verstärkt das Schlagwort „kulturelles Erbe Österreichs“ in unser Bewusstsein vor, seit Jahren wird der Ruf nach einer neuerlichen, weniger austriakisch ideologisierten und stattdessen sachlich vertieften Auseinandersetzung mit der österreichischen Kulturgeschichte laut und seit Jahrzehnten bereits verlangt die Forschung konkret nach der Erschließung von literarisch-theatralischen Texten, die von der Kanonbildung aus schlichter Unkenntnis oder aus Fixierung auf textfremde Wertmaßstäbe ausgeschlossen wurden und somit dem Vergessen zufielen. Diesen Fehler möchte das Projekt Kasperls komische Erben korrigieren: Die Wiederentdeckung des soziokulturellen Lebens Wiens (und seiner Vorstädte) an der Wende zum und im beginnenden 19. Jahrhundert soll anhand von Theaterstücken – konkret den Komödien des für das Wiener Gesellschaftsleben relevantesten Theaters, nämlich des Leopoldstädter Theaters – erfolgen, und zwar durch eingehende Beschäftigung mit den Autoren, Schauspielern, dem Publikum und natürlich den Texten, die als Grundlage für die literatursoziologische Studie und gleichzeitig zur eine interessierte Leserschaft kritisch ediert werden sollen, zumal sie zum großen Teil noch niemals – wie etwa die handschriftlichen Textbücher Franz Xaver Karl Geweys oder Therese Krones’ – gedruckt wurden.

 

Inhaltlich beschäftigt sich das Projekt mit der Entwicklung der Komik/der Komödie nach dem Tode Kasperl-La Roches (1806), dessen Schauspielleistung das Leopoldstädter Theater zum Anziehungspunkt für die kulturelle Elite Österreichs um 1800 machte. Nach seinem Ableben setzt Anton Hasenhut als „Thaddädl“ die Tradition der Lustigen Figur fort und bald treten weitere Figuren an seine Seite – „Staberl“ (Bäuerle), Lorenz (Gewey) und zuletzt „Kratzerl“, der von Ferdinand Raimund genial verkörperte Lustigmacher. Bemerkenswert ist dabei die Wandlung der Komik, deren vorläufiger Endpunkt mit der Genialität Raimunds anzusiedeln ist. Nicht eine Figur ist der alleinige Spaßmacher, die Komik wird von mehreren/vielen getragen und äußert sich auf ungemein vielfältige Weise, gleichzeitig wird die lustige Figur zusehends sozialisiert und verbürgerlicht und kann vom Publikum als eine Art Identifikationsfigur – und seien es die schlechten Eigenschaften des ungeliebten Nachbarn – vereinnahmt werden. Summa summarum besteht das Ziel der Studie zum Komikwandel darin, ausgehend von den, im Vorprojekt Mäzene des Kasperls synchron gewonnenen Befunden zum komischen Habitus von La Roche-Kasperl im theatralen Feld um 1800 um die diachrone Perspektive zu erweitern. Die ersten Recherchen erlauben eine zweifache Hypothese: dass die Komik sich diversifiziert (von einer Figur auf mehrerer Figuren), individualisiert (vom Figurentypus auf auktoriale Charaktere) und möglicherweise auch geschlechtsrollenspezifisch ausdifferenziert.  

 

Neben den genannten Autoren (Bäuerle, Gewey, Krones) sollen überdies Joseph Alois Gleich, Friedrich Joseph Korntheuer, Ferdinand Kringsteiner, Karl Meisl und quasi als „Gast“ Emanuel Schikaneder (der zwar nicht am Leopoldstädter Theater dichtete, aber dennoch von großem Interesse für die Studie ist) „zu Wort kommen“; darüber hinaus müssen die Schauspieler Ignaz Schuster, Anton Hasenhut, Jakob Lessel, Ferdinand Raimund, Anton Schmitt und natürlich die Aktricen Katharina Ennöckl, Johanna Huber, Josepha Sartory sowie die erste „Diva“ Therese Krones Beachtung finden, da ihr Spiel die Theaterstücke zum Leben erweckte und somit den implizierten sozialen Raum des Theaterlebens nachvollziehbar macht.

 

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Projektleitung

Ao.Univ.-Prof. Mag. Dr.phil.

Beatrix Müller-Kampel

Institut für Germanistik
Telefon:+43 316 380 - 2453


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