Literatur - Geschlecht - Ökonomie

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14.6.2018 - 16.6.2018

Graduate Student Symposium

Call for Papers

Die freie moderne Marktwirtschaft und die zunehmende Liberalisierung der Märkte, die mit dieser einhergeht, hat in den westlichen Ländern nicht nur den Wohlstand vermehrt. Zugleich hat sie eine kapitalistische Ökonomie entstehen lassen, die hierarchische Beziehungen hervorbringt, Gesellschaften umordnet und damit jedes Individuum in seiner Existenzweise betrifft. Jüngere gesamteuropäische Entwicklungen wie Finanz- und Wirtschaftskrisen, das Erstarken rechtspopulistischer Parteien, die Zunahme von prekären Arbeitsverhältnissen und die hohe (Jugend-)Arbeitslosigkeit können als Anzeichen für die Erosion eines Systems gesehen werden, das sein programmatisches Versprechen eines „Wohlstands für alle“ nicht (mehr) einzulösen vermag.

Diese pejorativ als “Neoliberalismus” bezeichnete Wirtschaftsform mit den ihr zugeschriebenen Dogmen des Wachstums und des Wettbewerbs ist zu einem Angelpunkt differenzierter Diskurse geworden. Kritische Stimmen beobachten etwa die Tendenz einer zunehmenden Ökonomisierung aller Lebensbereiche, die dazu führe, dass beispielsweise Bildung und Kunst bis zu Beziehungen zunehmend im Hinblick auf ihre (Markt-)Tauglichkeit bewertet werden.

Dominante ökonomische Standards und Sichtweisen stellen sozial hervorgebrachte Konstrukte dar, welche insbesondere mit traditionellen Werten rund um Männlichkeit verbunden sind, wie die feministische Ökonomieforschung aufgezeigt hat. Gender ist ihr zufolge eingebettet in globale Prozesse der freien Märkte, innerhalb derer eine traditionell „ökonomische“ Geschlechterordnung reproduziert wird. Diese Ordnung kann auf die historische Trennung von „öffentlich“ und „privat“ (Produktion und Reproduktion) zurückgeführt werden und scheint mitunter zur Legitimation von Ausbeutung und Unterdrückung zu dienen. Die Gefahr besteht laut Kritiker*innen darin, dass sogenannte neoliberale Ökonomie immer mehr zum Selbstläufer - und somit „naturalisiert” werde. Systeminhärente Missstände, wie beispielsweise präkarisierte Lebens- und Arbeitsverhältnisse von Frauen und sozialen Randgruppen, würden folglich als von den Individuen selbst verschuldet angesehen.

Auf dem Feld rund um die Konstellation von Identität, Literatur und Ökonomie agieren viele deutschsprachige SchriftstellerInnen als ProtagonistInnen. AutorInnen wie Elfriede Jelinek, Rainald Goetz, Marlene Streeruwitz, Ferdinand Schmalz, Olga Flor oder Kathrin Röggla reflektieren aktuelle politisch-ökonomische Entwicklungen literarisch sowie poetologisch. In den Texten dieser und anderer Autoren kristallisiert sich ein Problemzusammenhang von Literatur, Gender und Ökonomie ab, dem dieses Symposium nachgehen soll.

Wir laden Sie ein, Beiträge zur geplanten Konferenz vorzuschlagen. Diese könnten u.a. um folgende Fragen kreisen:

  • Welcher Zusammenhang besteht zwischen Geschlechterrollen, ihren Bildern und ökonomischen Verhältnissen?

  • Wo und wie thematisiert Literatur die Zusammenhänge zwischen Ökonomie und der Veränderung der sozialen Gefüge und (privaten) Lebensverhältnisse?

  • Entwickelt Literatur in der Auseinandersetzung mit der neoliberalen Ökonomie eine spezifische Formensprache, die diese affirmiert oder aber subvertiert?

  • In welchem Verhältnis stehen Gegenwartsliteratur und ihr Markt(-wert)?

  • Vermag Literatur noch zu erschüttern oder zu skandalisieren, wenn Kritik an der ökonomischen Denkfigur problemlos in das System integriert werden kann?

Im Rahmen des Symposiums sind Studierende eines Masterstudiums sowie Doktorand*innen eingeladen, literatur-, kultur- und medienwissenschaftliche Beiträge zum Thema vorzustellen und kritisch zu diskutieren.

Abstracts

  • Exposés mit Titel mit einer Gesamtlänge von max. 300 Wörtern für 20-minütige Vorträge
  • Beitragssprachen: Deutsch, Englisch
  • Per E-Mail im PDF-Format an literatur-geschlecht-oekonomie(at)uni-graz.at
  • Deadline: 28. Feb. 2018
  • Rückmeldung: Bis spätestens Mitte März

Die Kosten für Anreise und Unterkunft können nicht übernommen, aber eventuell nach Maßgabe der finanziellen Möglichkeiten bezuschusst werden. Es besteht zudem eine – den begrenzten Kapazitäten – entsprechende Möglichkeit zur Vermittlung privater Unterkünfte durch die Veranstalter*innen.

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Kontakt

Institut für Germanistik

Mozartgasse 8
8010 Graz
Österreich

+43 (0)316 380 - 2637

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