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Reaktionsformen österreichischer Autorinnen im Nationalsozialismus: Ingeborg Teuffenbach, Erika Mitterer, Veronika Rubatscher

Der Forschungsauftrag umfaßt die Darstellung unterschiedlicher Verhaltensweisen österreichischer Autorinnen im Nationalsozialismus 1933/1938-1945, veranschaulicht an Ingeborg Teuffenbach, Erika Mitterer und Veronika Rubatscher. Die Bandbreite der Reaktionsformen reicht dabei von vorbehaltloser NS-Begeisterung bis hin zum Widerstand gegen das Dritte Reich.

 

Ingeborg Teuffenbach verkörpert den Typus der erfolgreichen, vom politischen System geförderten Autorin, Erika Mitterer jenen der Inneren Emigratin, Veronika Rubatscher schließlich symbolisiert den Übergang von Innerer Emigration zum Widerstand. Eine eindeutige Zuordnung kann bisher nur bei Teuffenbach erfolgen, zu mannigfaltig sind die Probleme im Umfeld des Begriffes Innere Emigration. Wie Teuffenbach den Bereich ns-konforme Reaktionsformen vertritt, so steht Rubatscher am anderen Ende der nicht ns-konformen Reaktionsformen, während Mitterer den Übergang von einer Seite auf die andere symbolisiert. Die Reaktionsformen müssen aber immer vor der Kontrastfolie der Lebens- und Schreibbedingungen der aus dem literarischen System von vorneherein ausgeschlossenen jüdischen Autorinnen, wie z.B. Alma Johanna Koenig, gesehen werden. Die Betrachtung des literarischen Systems als Ganzes führt so zur Verdeutlichung des Handlungsspielraumes des Individuums.

 

In weiterer Folge soll aus der Forschungsarbeit eine Typologie entstehen, mit deren Hilfe die oft nur graduell verschiedenen Reaktionsformen von Autorinnen (und Autoren) im Nationalsozialismus genauer definiert werden können. Da ich zu meinem Projektvorhaben Frauen gewählt habe, soll den weiblichen Lebens- und Schreibzusammenhängen unter den speziellen Bedingungen des Dritten Reiches besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.

 

Bisher gibt es - abgesehen von wenigen monographischen Studien - keine Untersuchung, die das Verhalten österreichischer Schriftstellerinnen im Nationalsozialismus thematisiert. Bedingt durch die langjährige Mitarbeit (1986-1998) im FWF-Projekt Österreichische Literatur im Nationalsozialismus 1938-1945 bin ich mit dem literarischen bzw. kulturpolitischen System des Dritten Reiches sehr vertraut und vermag den Handlungsspielraum von Personen im Terrorregime vor der Folie vieler, oft nur graduell unterschiedlicher Verhaltensweisen zu definieren und im Gesamtsystem zuzuordnen.

 

Abweichend von monographischen Verfahren, die von der Einzelperson auf das System schließen, kann vor der Kenntnis der empirischen Breite ein Panorama von vielen Reaktionsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Da mein Forschungsvorhaben geschlechtsspezifisch auf die Reaktion von schreibenden Frauen ausgerichtet ist, müssen spezifische Bedingungen mit berücksichtigt werden. Weibliche Lebens- und Schreibbedingungen unterschieden sich im Führerstaat grundlegend von jenen der männlichen Kollegenschaft.

 

Schon der Zugang zu literarischer Produktion war für Frauen ungleich schwieriger, wie die Mitgliederlisten der Reichsschrifttumskammer (RSK) beweisen. Das 1942 publizierte Schriftsteller-Verzeichnis der RSK verzeichnet für das gesamte Deutsche Reich 10.118 AutorInnen, davon 7.993 Männer und nur 2.125 Frauen. (Die hohe Gesamtzahl ergibt sich aus der Tatsache, daß SchriftstellerInnen aller Sparten, darunter die große Gruppe der sogenannten FachschriftstellerInnen, verzeichnet sind.)

 

Auf die "Ostmark" entfallen 811 AutorInnen, davon 630 Männer und 181 Frauen. Meine Erfahrungen aus dem oben erwähnten Projekt bestätigen diese Zahlen: Von ca. 900 für das dreibändige Handbuch der österreichischen Literatur im Nationalsozialismus [in Vorbereitung] bearbeiteten AutorInnen sind nur ca. 200 Frauen.

 

Diese Autorinnen reagierten unterschiedlich auf die Gegebenheiten des Dritten Reiches. Grundlage der Analyse ist die funktionale Einbindung des Individuums in den Komplex Nationalsozialismus; die Reaktionsformen werden vor der Folie der Kenntnis des kulturellen und politischen Gesamtzusammenhanges beschrieben, allgemeine und individuelle Lebensbedingungen herangezogen. Vor allem letztere wirkten oft prägend: Ingeborg Teuffenbach und Erika Mitterer heirateten 1937, nach dem "Anschluß" wurden sie Mütter. Diese ganz persönlichen Erfahrungen zeitigten mit Auswirkungen auf das Schreiben, vor allem in der Wirkung nach außen. Teuffenbach stand in Wien im Zentrum literarischer Aufmerksamkeit, während Mitterer - ebenfalls in Wien lebend - öffentlich kaum in Erscheinung trat. Interessanterweise bewegten sich ihre Einkünfte trotzdem fast auf Gauleiter-Niveau (z.B. 24.271 Reichsmark/1941; Gehalt eines Gauleiters 30.000 Reichsmark).

 

Die für das Forschungvorhaben ausgewählten Frauen repräsentieren in ihrer Reaktion auf den Nationalsozialismus besonders ausgeprägte Verhaltensmuster. Die Bandbreite der Reaktionsformen reicht von vorbehaltloser NS-Begeisterung bis hin zum Widerstand gegen das Dritte Reich. Ingeborg Teuffenbach verkörpert den Typus der erfolgreichen, vom politischen System geförderten Autorin, Erika Mitterer jenen der Inneren Emigratin, Veronika Rubatscher schließlich symbolisiert den Übergang von Innerer Emigration zum Widerstand. Eine eindeutige Zuordnung kann bisher nur bei Teuffenbach erfolgen, zu mannigfaltig sind die Probleme im Umfeld des Begriffes Innere Emigration. Wie Teuffenbach den Bereich ns-konforme Reaktionsformen vertritt, so steht Rubatscher am anderen Ende der nicht ns-konformen Reaktionsformen, während Mitterer den Übergang von einer Seite auf die andere symbolisiert.

 

Neue methodische Überlegungen für eine genauere Bestimmung der nicht ns-konformen Reaktionsformen stellte ich mit dem Beitrag Innere Emigration in der "Ostmark"? Versuch einer Standortbestimmung im Sammelband Literatur der "Inneren Emigration" aus Österreich (1998) zur Diskussion. Dieser methodische Ansatz bildet den theoretischen Ausgangspunkt meiner Untersuchung und soll auf den Bereich ns-konforme Reaktionsformen ausgedehnt werden. Unverzichtbar für die Beschreibung ist eine Analyse auf Werkebene, d. h. eine Untersuchung der im Nationalsozialismus von den Schriftstellerinnen verfaßten Literatur. Hier muß vor allem im Bereich der nicht ns-konformen Verhaltensweisen eine differenzierte Relation zu Begriffen wie "verdeckte Schreibweise", "Camouflage", "Sklavensprache" etc. hergestellt werden.

 

Ziel des Forschungsvorhabens ist der Entwurf einer beschreibenden Typologie von Verhaltensmustern weiblicher Schriftsteller im Nationalsozialismus, mit deren Hilfe eine Masse von Einzelphänomenen systematisch geordnet werden kann. Auf diese Weise wird empirische Vielfalt systematisch gegliedert und andere Reaktionsformen können in das breitgefächerte Spektrum eingeordnet werden.

 

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Kontakt

Hertha-Firnberg-Stelle des FWF
Dr. Karin Gradwohl-Schlacher

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